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Juicy Beats 2016: Schön war’s gewesen!

Schlamm, Gestank, eskalierende Vollverdrogte und überfüllte Dixiklos, die mit Menschen darin umgekippt werden …

Nun, das war ja alles irgendwie noch zu ertragen, so mit Anfang 20. Als dann aber zunächst 2002 um mich herum ein halber Zeltplatz in Flammen stand und ein durchgedrehter Mob auf Rettungskräfte und alle, die nicht schnell genug weg liefen, losging (Bizarre Festival in Weeze – auf dem Gelände, auf dem sich heute ein Flughafen befindet, von dem man billich nach Malle kommt) und ich ein Jahr später schließlich drei Tage im eiskalten Dauerregen verbrachte (Hurricane Festival … würde man heutzutage bei solchem Wetter absagen), da sagte ich mir: Nie wieder Festival.

Ein paar Ausnahmen davon hat es in den Folgejahren aber natürlich doch mehrfach gegeben. So etwa das Juicy Beats in Dortmund, das immer mit toller Atmosphäre, einer etwas „anderen“ Musikauswahl und vor allem einem ganz, ganz anderen Gelände auftrumpfen konnte. Und natürlich: ich bin in weniger als einer Stunde mit dem ÖPNV dort.

Trotzdem war ich leider zuletzt 2010 bei der großen Party im Westfalenpark. Dann hat es vier Jahre in Folge aus den unterschiedlichsten Gründen nicht geklappt und letztes Jahr, als ich endlich wieder ein Ticket hatte, fiel das Juicy Beats ins Wasser. Schade.

Aber nun, 2016 hat es jetzt endlich wieder geklappt und zu dritt machen wir uns am Samstag um 12.30 Uhr mit dem Zug von Hagen aus auf in Richtung Dortmund. Und ich muss zugeben: Nach den schlimmen Ereignissen der letzten Wochen hatte ich hier und da doch ein etwas mulmiges Gefühl im Bauch, das auch der Dosen-Gin-Tonic aus dem Kiosk (ja, ich war auch erstaunt, dass es das gibt – und noch viel mehr, dass es sogar ganz gut schmeckt) nicht ganz vertreiben konnte.

First Gin of a New Day #gintonic #gordons #trainride #alcohol

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An ein paar Stellen im Internet las ich von den strengen Kontrollen, die zu Verzögerungen am Einlass geführt haben. Das kann ich so nicht bestätigen. Als wir um kurz vor 14 Uhr am Gelände waren, konnten wir binnen weniger Minuten aufs Gelände. Aber gut, wir hatten auch nur Gürteltaschen und eine Handtasche dabei.

Das meiner Meinung nach wirklich schönste Erlebnis am Juicy Beats ist, dass mensch eigentlich für gar keine spezielle Band kommen müsste. Und selbst ich, der ich mit Techno wirklich gar nix und mit elektronischer Musik auch nur sehr selektiv etwas anfangen kann, käme voll auf meine Kosten. Der ganze Westfalenpark besteht aus Soundinseln. Mal wummert es, mal piept es – und dann spielt plötzlich irgendwo eine Skaband oder es wird gerappt. Überall tanzen Menschen und sind gut drauf … das alleine ist ein schönes Erlebnis. Und da das Areal wirklich riesig ist, gibt es doch immer wieder Ruheoasen, wo einfach der Tag genossen werden kann.

Veni, vidi, saltavi

Ganz ohne Plan waren wir in diesem Jahr allerdings nicht unterwegs – im Gegenteil. Diverse Musik, die Teile der Reisegruppe sehen wollten, liefen leider sogar gleichzeitig. Aber wir haben uns dann doch einigen können.

Zunächst taperten wir zur Kiwi aka „Funkhaus Europa Worldbeat Stage“. Uns waren die dort um 14.30 Uhr auftretenden SHUBANGI ans Herz worden. Was tatsächlich ein sehr guter Tipp war! Cooler deutschsprachiger Hip-Hop mit Liveband, tolle Stimme und eine gute, positive, politische Botschaft. Erstaunlicherweise kommt in den Aufnahmen, die ich mir nachher angehört habe, nicht annähernd die Energie rüber, die es auf der Bühne hatte. Und auch schön, wie so viele Leute so früh am Tag „Refugees welcome“ rufen. Noch ist nicht alles verloren. Auch wenn Refugees vermutlich keine 38 Euro für ’ne Karte haben …

Im Anschluss taperten wir dann weiter zur Zitrone („Void Friday Floor“), um mal eben um 15.30 Uhr bei den Hagenern TAY & FINN zu winken, aber auf der Bühne war irgendwas anderes. Zu viel Techno. Schnell weg.

Stattdessen haben wir uns etwas über das Gelände treiben lassen, um um 16 Uhr die Apfel-Mainstage zu erreichen. Und wow, da war was los. Die ganze Wiese war voll, um sich die IRIE RÉVOLTÉS anzuschauen. Cool, große Party! Wenn so viele Menschen so eine Band feiern, ist die Welt vielleicht wirklich nicht verloren. Und da die Reisegruppe sie nicht kannte, auch noch ein schönes Aha-Erlebnis. Würde ich gerne bei Gelegenheit noch einmal in etwas intimerer Live-Atmosphäre sehen. Und tanzen. Und hüpfen. Und singen.

Straffes Programm. Schnell einen Geländeplan suchen. Wo sind die Himmihbeeren?! Ah, da, auf dem Weg noch einen (sehr leckeren) Kaffee beim „Kaffee Flitzer“ (was ein cooler Name) abgreifen und dann 17.30 Uhr, „2nd Mainstage“, ANTILOPEN GANG. Großartige Bühne, großartige Antilopen! Vor vielen Jahren hab ich den Spaß an Rapmusik verloren, insbesondere an deutschsprachiger, die Antilopen haben ihn mit vor einem guten Jahr wiedergegeben. Eine der besten Punkbands, die ich kenne – und das quasi ohne Punkrock. Da stehen tausende Leute und tanzen und singen mit: ein weiterer Beweis für Hoffnung!

Praktisch, Bühnenwechsel nicht nötig. Denn der einzige echte Punkrock auf dem Juicy Beats folgte direkt im Anschluss auf der Himbeer-Bühne. FEINE SAHNE FISCHFILET. Schon irgendwie verrückt, wie um mich lauter kleine Mädels mit ins Haar geflochtenen Blumen und bunten Leuchtfarbe-Mustern im Gesicht lautstark „Komplett im Arsch“ mitsingen. Aber sie singen auch bei „Wut“ mit. Oder hören zu. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Die Soundtrack jedenfalls ist tanzbar. Lediglich die Tontechniker sind scheinbar nicht so ganz mit Stromgitarren klar gekommen …

Nach einer kleinen Stärkung stellte sich nun die entscheidende Frage: an diesem lauen Sommerabend etwa jetzt schon die Heimreise antreten? Niemals! Aber Fritz Kalkbrenner? Wanda? Herrjemine! Also zurück zur Kiwi, wo GROßSTADTGEFLÜSTER spielten, von denen wir jedoch allesamt nicht mehr als vielleicht mal zwei Lieder gehört hatten. War okay. Netter Elektropop, irgendwo zwischen Mediengruppe Telekommander und Wir sind Helden ohne wirkliche Kanten. Aber Popowackelnd auf der Wiese mit Sportzigarette (Achtung, nicht inhalieren!) ist doch ein schöner Ausklang eines schönen Tages.

Essen

Essen? Dortmund! Haha … Tja, mit zunehmendem Alter werde ich scheinbar immer mehr wie mein Vater. Damit meine ich nicht den Flachwitz, sondern die Tatsache, dass ich meine Aktivitäten zu einem nicht unerheblichen Teil um Essensgelegenheiten herum plane. Und da konnte das Juicy Beats 2016 durchaus so einiges. Leider mehr als mein Magen, denn es gab so manche tierfreien Gaumenfreuden zu entdecken. Klar, Falafel, klar Fritten, aber auch gebackene Kartoffeln an der Funkhaus-Kiwi-Bühne und insbesondere das großartige Angebot um die 2nd Mainstage. Pulled Soja, vegane Hotdogs und der Foodtruck von den Las Vegans aus Bochum … Stellt euch einfach Homer mit Sabberfaden im Mundwinkel vor, so sitze ich hier jetzt und schwelge in wehmütiger Erinnerung. Dazu Cider vom Fass, Cider vom Fass, mehr Cider vom Fass, Cocktails, leckerer Kaffee – war gut gewesen.

Alles wird gut. #coffee #kaffee #JuicyBeats16

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Kritik

Ja, klar, gibt es auch. Hält sich aber in Grenzen. Das einzige, was echt etwas genervt hat: sämtliche Klos haben 50 Cent gekostet. Deswegen stolperte Mensch alle paar Minuten über andere Menschen, welche irgendwo in die Botanik pinkelten. Muss ja nicht sein. Und auch das mobile Internet lag leider fast durchgehend in Scherben. Da ging nix mehr durch. Wie soll ich denn so Pokémons jagen? Ich prangere dies an!

Aber ansonsten: Weitermachen. Wir sind 2017 am Start!

tl;dr

Ein gif sagt mehr als tausend Worte. Es ist mein erstes gif. Seien Sie nett.

Juicy Beats 16 Tanzbär

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