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5/8 für Hagen | Spannende Projekte

Bei der Veranstaltung „5/8 für Hagen“ wurden am 8.5. im Kulturzentrum Pelmke in Hagen (Postleitzahlenbereich 58) für jeweils 5 Minuten insgesamt 8 Projekte vorgestellt. Meta-Ebene, ick hör dir trapsen … Aber so konnte dank der Eselsbrücke diesmal auch ich den Termin nicht verpassen, wie es mir leider beim ersten Event der Reihe im August 2014 passiert ist. Und das ist rückblickend wirklich schade, denn dies war ein toller Abend!

Als wir etwa eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn an der Pelmke im Hagener Stadtteil Wehringhausen eintrafen, war hier schon viel los. Bei den angenehmen Außentemperaturen standen viele Leute fröhlich plaudernd auf dem Vorplatz, auch die Kneipe im Gebäude war angenehm gefüllt. Ich hatte jedoch nicht damit gerechnet, dass auch der Saal bereits so rappelvoll sein würde, dass wir keinen Sitzplatz mehr bekamen. Glücklicherweise war am hinteren Ende des Raumes noch genug Platz für ein paar Stehplätze.

Das Konzept

Ziemlich pünktlich um 20 Uhr ging es dann zunächst mit einer kleinen Einführung durch Moderatorin Sandra Quellmann los. Das Konzept von „5/8 für Hagen“ orientiert sich lose an Pecha Kucha, einer Präsentationsmethode, bei der in einer festgelegten kurzen Zeit zu einer bestimmten Anzahl Folien ein auf das wesentliche reduzierter Vortrag gehalten wird. In Hagen waren es dem Namen entsprechend acht Vorträge, die jeweils fünf Minuten dauerten, dazu wurden 15 Folien für jeweils 20 Sekunden auf die Leinwand projiziert.

Als kleinen Einheizer gab es jedoch zunächst einen neunten Vortrag der beiden Veranstalterinnen Martina Döbler und Jessica Nitsche vom Designbüro Tiefschwarz und Edelweiß, der noch einmal die Vorgehensweise verdeutlichen sollte. Thema hiervon war das schön aufgemachte „Warum eigentlich Hagen?“ – ein Frage, die wohl alle hier lebenenden schon einmal gehört und sich oft selber gestellt haben.

Der Komplettierer

Der erste „richtige“ Vortrag kam dann von Dirk Bruchmann. Der Hagener bietet als „Der Komplettierer“ die Suche nach seltenen Medien an. Ob verzweifelt ein vergriffenes Buch für eine Studienarbeit, den Lieblingsfilm aus der Kindheit auf DVD oder eine seltene Sonderpressung für die Plattensammlung gesucht wird: Bruchmann kann eventuell viel Zeit (und damit auch Geld und besonders Nerven) ersparen, da er nicht nur in den verschiedensten und auch exotischsten Onlinebörsen angemeldet ist, aus seiner Zeit als Buchhändler hat er auch offline viele Kontakte und Quellen. Spannendes Geschäftsmodell!

StoryTeller

Ziemlich zügig ging es dann weiter mit Silke Pfeiffer, die den meisten Hagener.innen bestimmt als Initiatorin des Wehringhauser „Tags der offenen Hinterhöfe“ bekannt sein dürfte. Pfeiffer präsentierte bei „5/8 für Hagen“ das Projekt „StoryTeller“ der Frauenvereinigung „Soroptimist“, bei dem Integrationsarbeit im wahrsten Wortsinn durch den Magen geht. In kleinen Gruppen treffen sich Interessierte mit Geflüchteten, kochen gemeinsam Gerichte aus deren Herkunftsländern und essen danach (hier auch hin und wieder in größeren Gruppen) gemeinsam. Und dabei besteht natürlich viel Zeit, Geschichten zu erzählen, sich auszutauschen und kennenzulernen. Toll!

Freifunk

Als nächstes kam dann Christian Specht, der die Initiative Freifunk vorstellte. Anliegen von Freifunk ist es, öffentliche, kostenlose Internetzugänge über WLAN anzubieten, indem möglichst viele Gewerbetreibende und Privatpersonen Zugangspunkte zur Verfügung stellen und eventuell einen kleinen Teil ihrer Internetverbindung mit der Allgemeinheit teilen. Freifunk ist dabei in fast jeder Hinsicht sicher, anonym und als vielleicht einzige öffentliche WLAN-Lösung barrierefrei. Die Kosten für die individuellen Anbieter.innen sind dabei minimal, in vielen Städten werden die Freifunk-Initiativen aber mittlerweile sogar öffentlich gefördert. Die Hagener Freifunker planen künftig regelmäßige Treffen, bei denen es Informationen gibt, wie man sich an einem freien Netz beteiligen kann.

5/8 für Hagen - (c) Martina Döbler

Was weg ist, ist weg

Mit „Was weg ist, ist weg“ stellte dann Pfarrer Bernd Becker, ehemaliger Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Hagen und nun Direktor des Evangelischen Presseverbandes für Westfalen und Lippe, ein im Juni erscheinendes Buch vor. In diesem geht es um, wie der Untertitel sagt, „kuriose Beerdigungsgeschichten“. Es soll dabei wohl dem Thema die Schwere genommen, Mut und Trost gespendet werden. Kann man machen, der Tod gehört ja schließlich auch zum Leben, ich persönlich fand es allerdings etwas befremdlich.

#hinsehen

Nach einer kurzen Pause ging es weiter zur zweiten Hälfte des Programm. #hinsehen (Sprich: „Hashtag Hinsehen“) ist ein Fotoprojekt der Hagener Künstlerin Beba Ilic und den Einheimischen wohl mittlerweile durch sämtliche lokalen Medien, Facebookgruppen und vermutlich auch Rauchzeichen bekannt. Dennoch ist es eine tolle und spannende Aktion, die für Zivilcourage in allen Belangen wirbt – und so etwas geht natürlich nicht ohne breite Öffentlichkeit.

CrossFit

Es gibt viele Dinge, die mich interessieren. Allerdings gehört Sport nun wirklich nicht dazu. Tatsächlich ganz allgemein und pauschal. Umso verwunderlicher finde ich natürlich Extremsportler, welcher Art auch immer. Und daher war nun der folgende Vortrag von Adrian Korzuch zur neuen Halle „CrossFit Hagen“ für mich auch eher so etwas wie ein Kurztrip in eine völlig andere Lebenswelt. Muskeln, Schweiß, Durchhalte- und Anheizparolen … Na, wenn es die Leute glücklich macht.

Keltic Festival

Viel mehr konnte ich dann schon wieder mit dem nächsten Projekt anfangen, wenn es mir bislang auch eigentlich ebenso unbekannt war – was in Anbetracht meiner jahrelangen Intensivbeschäftigung mit der lokalen Musikszene umso mehr verwundert. Die Rede ist vom Keltic Festival auf Schloss Hohenlimburg. Veranstalter Richard Fiel präsentierte dieses zweitägige Event im Schottenrock und in einem tollen, sympathischen Denglisch. Das Festival findet Ende Mai bereits zum vierten Mal statt und lockt Freundinnen und Freunde schottisch-irischer Partykultur aus ganz Deutschland (und sogar darüber hinaus) an die Lenne. Sämtliche Erlöse des Festivals werden an wohltätige Einrichtungen in Hagen gespendet.

Pawo

Zuletzt vorgestellt wurde schließlich ein Projekt mit echten Headliner-Qualitäten: die beiden Hagener Marvin Litwak und Dustin Steinkühler stellten ihr Spielfilmprojekt „Pawo“ vor. Inhaltlich dreht es sich dabei um tibetische Flüchtlinge in Indien. Die Aufnahmen entstanden mit einheimischen (Laien-)Darstellern vor Ort in Indien. Der Film befindet sich zwar momentan in der Endproduktion, da er aber zunächst noch auf verschiedenen Filmfestivals gezeigt werden soll, wird das „normale“ Kinopublikum wohl noch eine ganze Zeit warten müssen.

Fazit (tl;dr)

Die zweite Ausgabe von „5/8 für Hagen“ war ein absolut lohnenswerter Besuch! Es ist immer wieder erstaunlich, was abseits der breiten Wahrnehmung für spannende Projekte in dieser Stadt initiiert werden – auch und grade wenn diese nicht immer etwas für jeden Geschmack sind. Ich freue mich schon auf den nächsten Termin der Reihe.

Fotos (2): © Martina Döbler

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