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Fairphone – ein erster Eindruck

Fairphone_Cost_Breakdown_and_Key_Sept2013-1Als ich mir im Dezember 2012 eine neues Smartphone zulegen musste, setzte ich auf Windows Phone 8. Ja, ihr lacht. Und zwar völlig zu recht. Meine anfängliche Euphorie war auch schnell verflogen. Dazu demnächst mehr. Jetzt sei nur wichtig: schon bald sehnte ich mich zurück nach Android.

Im Frühjahr 2013 las und hörte ich dann an verschiedensten Stellen von ein paar Niederländern, die sich vorgenommen hatten, ein soweit irgendwie möglich „faires“ Smartphone (insbesondere in Bezug auf den komplett offen gelegten Herstellungsprozess, auf Arbeits- und Umweltbedingungen und auch auf das Betriebssystem) zu produzieren.

Um das Projekt zu starten, wurden 5.000 Menschen benötigt, die im Rahmen einer Crowdfounding-Campagne bereit waren, dem kleinen Non-Profit-Unternehmen 325 Euro vorzuschießen. Ich fand die Idee super, fasste mir ein Herz – und war am 15. Mai 2013 der 845. Besteller eines Fairphones.

Dann explodierte plötzlich der Zuspruch bei Fairphone: die 5.000 (für die Produktion von 20.000 Telefonen) nötigen Vorbesteller waren am 4. Juni erreicht. Am 5. September wurde die Produktionsmenge auf 25.000 Stück aufgestockt – und diese waren am 13. November 2013 komplett verkauft.

Nun kann man sagen was man will, über die tatsächlich natürlich nicht durchgehend „faire“ Produktion unken (wie das alle möglichen Applefanboys momentan in ihren Blogs gerne machen) … ich empfinde das Gerät als sehr wichtiges Zeichen. Viele Menschen haben deutlich gemacht, wieviel Wert sie auf Veränderungen legen und dass auch ein ganz kleines Grüppchen Leute mit einer guten Idee etwas erreichen kann. Es ist ein Anfang, und zwar ein sehr guter! Bei Heise habe ich einen Kommentar entdeckt, der das auf den Punkt bringt.

Das Telefon

Jetzt aber genug schwadroniert – kommen wir zu den Fakten. Fast acht Monate, nachdem ich es bestellt und bezahlt hatte, klingelte gestern (am 7. Januar 2014) endlich der Paketfahrer und überreichte mir einen Pappkarton. Endlich habe ich zumindest den geringen Hauch einer Ahnung davon, wie sich ein DDR-Bürger wohl gefühlt haben könnte, wenn er den Schlüssel zu seinem ersten Trabi bekam.

Innerhalb der großen Umverpackung lag dann ein sehr wertig aussehender, hübsch designter Pappkarton mit dem Telefon sowie die von mir zusätzlich bestellte Schutzhülle und ein paar SIM-Adapter, um meine bisherige MicroSIM in das Telefon zu bekommen, das mit Karten in klassischer Göße arbeitet.

fairphone-failphoneIm Telefonkarton selber lag dann noch ein Schwung Postkarten. Die „Failphone“ ist dabei natürlich mein Favorit. Sie beweist eine gehörige Portion Selbstironie bei den Machern. Sowas mag ich sehr!

Was beim Telefon nicht dabei ist, ist weiteres Zubehör. Ein Kopfhörer fehlt genau wie auch ein USB-Steckdosenadapter oder ein USB-Kabel. Was ich gut finde – denn von allen meinen letzten Telefonen liegen die Kopfhörer noch eingepackt in irgendwelchen Schubladen und USB-Kabel und -Ladegeräte habe ich nun wirklich genug. Warum also Ressourcen für so etwas verschwenden? Im Zweifelsfall kriegt man es für ganz wenige Euro im nächsten Elektronikgeschäft.

Das Telefon selbst überraschte mich zunächst durch seine Größe und vor allem sein stattliches Gewicht von 170 Gramm. Es liegt allerdings toll in der Hand und durch das Gehäusedesign wirkt es enorm wertig.

Beim ersten Einschalten begrüßte mich eine witzige kleine Animation mit afrikanischen Klängen und Android-Einrichtungsprozess  und -Tutorial in schön gestaltetem Fairphone-Design.

Die Verbindung mit meinem WLAN klappte auf Anhieb – wenn auch der Empfang mit anderen Geräten an selber Stelle (zwei Räume vom Router entfernt) deutlich besser ist.

Direkt auf dem Homescreen begrüßt mich dann als zentrales Element ein großer Punkt mit der Beschriftung: „Genießen Sie die Ruhe!“ … ein Drücken hierauf lädt die App „Peace of Mind“ und lässt per Fingerwisch eine Zeitspanne bis drei Stunden einstellen, in der das Telefon in den Flugmodus wechselt. Eine kleine Ruhepause von der ständigen Erreichbarkeit. Süß.

Darunter dann noch ein kleiner Link zum Installieren der Google-Apps (Playstore, Maps, gmail, g+ etc.), die auf diesem Android (Version 4.2.2, Rootzugriff ab Werk) nicht vorinstalliert sind. Ich lasse sie auch zunächst einmal vom Gerät weg und versuche, ohne klarzukommen. Mails, Kalender und Kontakte habe ich eh anderweitig gespeichert.

Ansonsten gibt es erst einmal nicht viel zu sagen. Die technischen Daten vom Telefon sind halt … nun ja, okay. Aber es war ja bereits im Vorfeld klar, dass dieses kein absolutes Highend-Telefon sein würde. Und ich benutze mein Smartphone normalerweise nicht für Dinge, mit denen das Fairphone nicht problemlos klarkommen sollte. Telefonieren, Mails, Kalender, etwas surfen und ggf. zum Geocachen.

Ich werde das Gerät heute im weiteren Verlauf des Tages mal mit SIM-Karten ausstatten (es kann zwei verarbeiten, was ich ziemlich gut finde, da ich zwei habe und eines meiner Telefon garantiert immer mit leerem Akku irgendwo liegt), Mails und sonstiges einrichten und in den nächsten Tagen im allgemeinen Gebraucht durchtesten – und dann bestimmt noch ein paar Worte dazu schreiben.

Grundsätzliche weitere Infos gibt es natürlich in der Wikipedia.

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  1. Pingback: Das Fairphone » Phils Garagenblog

  2. Pingback: Ein halbes Jahr Fairphone – eine erste Zwischebilanz | Jan Eckhoff

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