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Raus aus Facebook – Teil 1

Über die Gründe für meinen Facebook-Ausstieg hatte ich ja bereits ausführlich geschrieben.

Aus verschiedenen privaten und vor allem beruflichen Gründen (und auch aus denen des Datenschutzes) kommt für mich ein schnödes Accountlöschen nicht in Frage. Es muss alles etwas sanfter aber dafür umso gründlicher funktionieren.

Hier kommt dann also der erste Teil. Dabei geht es vor allem um „Entwöhnung“, die mobile Nutzung und das grundsätzliche Ausloggen.

Welch hohes Suchtpotenzial Facebook hat, haben wir im vergangenen Frühjahr in unserer Bürogemeinschaft mit einem lustigen Experiment festgestellt.

In unserem Netzwerk hatte ich Facebook geblockt und statt eines Streams voller zeitvernichtender Ablenkung wurde bei Aufruf der Seiten folgendes Bild angezeigt:

Stencil-mittelfinger

Und es ist schon erstaunlich, wie oft man komplett unterbewusst die Seite aufrufen wollte und plötzlich den Kameraden sah, der einem den Finger zeigt. Und nach ein paar Tagen zeigte es Wirkung, ich merkte dann schon nach dem ersten Buchstaben: Verflixt, schon wieder „f“ in die Adresszeile getippt! Wiesodennbloß?

Doch am erschreckendsten fand ich eigentlich, wie oft ich den Finger-Mann an anderen Stellen gesehen habe. Mindestens auf jeder zweiten angesurften Internetseite grinste er mir irgendwo entgegen, in der Sidebar, unterhalb von Artikeln oder im Footer.

Im „normalen“ Zustand, also ohne Block der Facebook-Seiten und stets eingeloggt (denn um FB schnell aufzurufen, ist man das ja üblicherweise) kann Facebook alle diese besuchten Seiten mir zuordnen. Es weiß ziemlich genau, was ich so alles im Internet mache, und zeigt mir entsprechend Vorschläge und Werbung an. Und wer weiß, was es mit den Daten sonst noch treibt …

Also: immer ausloggen!

Habe ich danach natürlich auch nicht berücksichtigt, man ist halt einfach zu bequem. Aber in den vergangenen zehn Tagen ist es eine bewusste Aktion geworden. Ich versuche seitdem zwar, Facebook so selten wie möglich zu nutzen, aber zwei- oder dreimal am Tag schaue ich doch kurz rein, um irgendwas bei Kundenseiten zu administrieren und zu schauen, ob mir jemand eine Nachricht geschrieben hat.

Und wirklich leicht macht einem Facebook das Ausloggen natürlich nicht. Ich wette, dass es Leute gibt, die gar nicht wissen, wo sich die Funktion befindet. Nämlich dort:

fb-abmelden

Und schwupps, werd ich zum einen nicht mehr den ganzen Tag von Facebook beim Surfen bespitzelt und habe zum anderen eine bewusste Hürde, wenn ich deren Seite aufrufe.

Was uns bei unserem oben genannten Bürotest übrigens aufgefallen war: in der Zeit der Facebook-Sperrung hatten wir ständig unsere Smartphones in der Hand, um da mal eben den Status zu checken.

Das ist ja eh eine Seuche geworden … Konzerte kann man mittlerweile aus den hinteren Reihen komplett durch hochgehaltene Handys (viele davon mit geöffneter FB-App) betrachten, überall auf der Straße stehen Leute und tippen Statusmeldungen. Und es nimmt zu.

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Daher: Weg mit der App!

Was für mich noch viele weitere Vorteile hat. Irgendwann scheine ich bei meinem Windows Phone 8 mal etwas falsch gemacht zu haben (oder es geht gar nicht anders), auf jeden Fall hat sich Facebook dort komplett ins System gegraben. Termineinladungen standen sofort im Kalender und statt des wichtigen Termins am nächsten Tag zeigte mir die entsprechende Kachel stets irgendeine Veranstaltung am anderen Ende Deutschlands an. Statt des Geburtstags irgendwelche Freunde und Verwandten hatte ich immer die von irgendwelchen Leuten vor der Nase, die ich eigentlich gar nicht kenne. Außerdem das verknüpfte Adressbuch undundund.

Ein erfreulicher Nebeneffekt: seit ich die Facebook-App vor etwas über einer Woche gelöscht habe, hält mein Akku plötzlich deutlich länger. Und so ganz vertraue ich ja auch der Tatsache nicht, dass ich Facebook zwar die Nutzung meines Standortes verboten habe. Durch Löschung der App ist auf jeden Fall sicher gestellt, dass sie nicht nur mein Surfverhalten nicht mehr kennen, sondern auch nicht meine „realen“ Bewegungsmuster.

Und gestern ist die App dann auch vom Android-Tablet geflogen. Ab jetzt also nur noch vom Computer aus und immer schön mit An- und Abmeldung 😉

Weiter geht es in vermutlich etwa einer Woche mit Teil 2. Ich werde versuchen, die Weihnachtstage zu nutzen, um mein Profil ganz gründlich aufzuräumen!

3 Kommentare

  1. Pingback: Raus aus Facebook! – Präambel | Jan Eckhoff

  2. Ausloggen ist schon mal gut – Cookies löschen wäre noch besser. Gibt auch tolle Firefox Plugins für solche Zwecke. Was zum Beispiel sehr radikal ist aber durchaus praktisch ist, ist FB nur in einem Browser zu nutzen mit dem man sonst nicht surft oder gar beruflich unterwegs ist…

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    • Für Cookies hab ich immer die Einstellung „Behalten, bis Firefox geschlossen wird.“ an. Und Firefox selbst grundsätzlich sowieso nur mit NoScript.

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